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"Die Bücherverbrennung - Auftakt der geistigen
Vernichtung" "Stichtag der Barberei-Kampftag
der Kultur" |
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Am 10. Mai 1933 verbrannten die deutsche Studentenschaft die Werke marxistischer, pazifistischer und jüdischer Schriftsteller. Die Veranstalter sahen in der Bücherverbrennung einen symbolischen Akt; wie man in der Vorzeit dem Feuer eine reinigende, krankheitsaustreibende Wirkung zusprach, so sollten in den Flammen die "geistigen Grundlagen der verhaßten Novemberrepublik zu Boden" sinken, sollte zum Ausdruck kommen, "daß in Deutschland die Nation sich innerlich und äußerlich gereinigt hat" (Goebbels). Vom gebildeten deutschen Bürgertum wurde die Bücherverbrennung als "studentischer Bierulk" aufgenommen und auch im Ausland reagierte man vielfach mit "Amüsiertheit" auf diesen "Ausdruck studentischen Übereifers" und deutete die Vorgänge nur selten warnend im Sinne Heines: "Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende Menschen." (Aus: Große Geschichte des Dritten Reichs und des Zweiten Weltkriegs - Vorgeschichte und Machtergreifung, Naturalis Verlag, 1989, S. 182) |
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Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten |
von Dr. Ulrich Schneider
Am 10.Mai 1993 jährt sich zum 60. Mal der Tag, an dem im ganzen Deutschen Reich - vor allem in den Universitätsstädten - "undeutsche Literatur" auf Scheiterhaufen verbrannt wurde.
Unter markigen "Feuersprüchen" wie: "Gegen Klassenkampf und Materialismus!", "Gegen Dekadenz und moralischen Verfall!", "Gegen Frechheit und Anmaßung, für Achtung und Ehrfurcht vor dem unsterblichen deutschen Volksgeist!" u.a. vernichteten die Nazis viele tausend Bücher von Autoren, die sie seit Jahren wegen ihrer humanistischen, demokratischen oder sozialistischen Gesinnung bzw. wegen ihrer jüdischen Herkunft bekämpften.
Diese Aktionen, die den Auftakt zur geistigen Verdrängung jeder kritischen Gesinnung aus den öffentlichen Bibliotheken bildeten, fanden nicht heimlich statt. Sie wurden als öffentliches Schauspiel insziniert. Zwölf Thesen "Wider den undeutschen Geist" verbreitete die "Deutsche Studentenschaft", und Studenten und andere Hochschulangehörige, darunter zahlreiche Bibliothekare, sonderten diese Literatur in den Bibliotheken aus. Die Verbrennung selber wurde von Aufmärschen und propagandistischen Aktionen begleitet und fand ihren entsprechenden Niederschlag in der örtlichen und überregionalen Presse.
Nach diesen Aktionen - teilweise sogar in vorauseilendem Gehorsam - beeilten sich die einschlägigen Fachverbände, der Börsenverein des deutschen Buchhandels oder der Reichsverband der deutschen Leihüchereien, durch entsprechende Anordnungen bzw. Empfehlungen die "Ausmerzung undeutscher Literatur" systematisch durchzusetzen. Auf der Liste "des schädlichen und unerwünschten Schrifttums", die seit 1935 regelmäßig herausgegeben wurde, fanden sich schließlich 12.400 Titel und das Gesamtwerk von 149 Autoren.
Die besten Vertreter des deutschen Geistesleben wurden vertrieben und "ausgebürgert". Viele von ihnen schlossen sich im Exil den antifaschistischen Kräften an. In ihren in den Exil-Ländern oft in deutscher Sprache geschriebenen Werken verarbeiteten sie ihre Erfahrungen mit faschistischer Verfolgung und Ausgrenzung. Diese Werke wurden damit zu Zeugnissen gegen die Nazi-Diktatur, in ihnen spiegelte sich das "andere", das demokratische Deutschland, wider.
"Die Verbrennung aller Werke des deutschen fortschrittlichen Denkens durch Hitler kann keinen Augenblick vergessen machen, was die Menschheit in der Vergangenheit dem geistigen Leben Deutschlands zu verdanken hat. In den Flammen der Scheiterhaufen auf dem Berliner Opernplatz ist keineswegs die Fähigkeit Deutschlands, der Entwicklung der menschlichen Kultur zu dienen, verbrannt. Nie und nimmer sind Hitler, Goebbels, Göring und Rust die Vertreter des 'wahren deutschen Geistes'. Deutschlands wirklich große Schöpferkraft für den kulturellen Fortschritt ist in jenen Millionen Menschen begründet, die von dem Hitler-Regime als antifaschistische Arbeiter, Wissenschaftler, Künstler und Intellektuelle mit grausamer Härte verfolgt und geschlagen werden", heißt es im "Braunbuch über Reichstagsbrand und Hitlerterror", das bereits 1933 erschien.
Mit freundlicher Genehmigung des VVN-Bund der Antifaschisten/München
(Quelle: Erinnern für die Zukunft. Materialien zum 60. Jahrestag der faschistischen
Bücherverbrennung am 10. Mai 1933. Hg. Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes
VVN-Bund der Antifaschisten. München: Eigendruck, 1992. S.1-2.)